Kurz gesagt: Ich prüfe mit einem 360°-Scan sichtbare Unfallschäden am Auto über feste Außenbilder, Detailfotos und teils 3D-Messungen in mm. So lassen sich Kratzer, Dellen, Lackrisse, Leuchtenschäden und Spaltmaß-Abweichungen von oft 3 bis 5 mm Sollbereich sauber einem Bauteil zuordnen. Danach prüft ein Sachverständiger die Daten und übernimmt sie in das digitale Gutachten.

Wenn ich den Ablauf auf das Wesentliche runterbreche, passiert Folgendes:

  • Ich bereite das Auto vor: sauber, trocken, geschlossen, auf ebenem Boden
  • Ich erfasse die Fahrzeugdaten: FIN, Kennzeichen, Kilometerstand, Erstzulassung
  • Ich mache feste Rundum-Bilder: Front, Heck, Seiten, Ecken, Dach, Räder
  • Ich mache Schadenfotos in mehreren Distanzen: Übersicht, mittlere Distanz, Nahaufnahme
  • Ich messe bei Bedarf Fugen und Versatz: oft per Stereo-Kamera oder Lichtmuster
  • Ich übergebe alles ins digitale Gutachten: mit Bildern, Position, Schadenart und Messwerten

Worum geht es dabei für Sie? Um klare Belege nach einem Unfall. Das hilft bei der Abstimmung mit Werkstatt, Leasinggeber oder Versicherung. Besonders bei sichtbaren Karosserieschäden zählt eine saubere Bildfolge, weil schon wenige Millimeter Abweichung auf strukturelle Schäden am Fahrzeug hindeuten können.

Einfach gesagt: Der 360°-Scan ersetzt nicht die Fachprüfung, aber er liefert die Bild- und Messgrundlage dafür. Genau das fasse ich im Artikel knapp und verständlich zusammen.

2. Fahrzeug und Umgebung vorbereiten

2.1 Fahrzeugzustand, Beleuchtung und Positionierung

Vor dem Scan sollte das Fahrzeug sauber und trocken sein. Schmutz, Salz und Wasserstreifen verdecken Kratzer und Dellen. Dazu kommen Reflexionen, die Schäden vortäuschen oder unsichtbar machen können.

Außerdem sollten Türen, Motorhaube, Heckklappe und Tankklappe komplett geschlossen sein. Nur so lassen sich Spaltmaße und die Ausrichtung des Fahrzeugs sauber prüfen. Eine Tür, die nicht ganz eingerastet ist, kann den Spaltabstand um mehrere Millimeter verändern. Genau solche Abweichungen spielen im Unfallgutachten eine Rolle.

Wichtig ist auch der Standort: Stellen Sie das Fahrzeug auf einen ebenen, festen Untergrund. Sonst können Spaltmaße verfälscht wirken. Rund um das Auto sollten etwa 1 bis 1,5 m frei bleiben, damit alle Blickwinkel ohne Hindernisse aufgenommen werden können.

Beim Licht gilt: diffuses Tageslicht ist am besten, also etwa bei bedecktem Himmel oder im Schatten. Spiegelungen durch Glasfassaden oder glänzende Böden lassen sich oft schon durch leichtes Umpositionieren mindern. Das klingt nach einem kleinen Detail, macht bei Fotos aber oft den Unterschied.

Danach werden die Fahrzeugdaten aufgenommen, damit sich alle Bilder klar zuordnen lassen.

2.2 Fahrzeugdaten für den digitalen Bericht

Parallel zur Vorbereitung werden die Fahrzeugdaten erfasst. Sie sorgen dafür, dass das Gutachten dem richtigen Fahrzeug zugeordnet wird und der Schaden sauber dokumentiert ist.

Datenpunkt Zweck im Gutachten
Fahrgestellnummer (FIN/VIN) Fahrzeug eindeutig zuordnen
Kilometerstand (in km) Verschleiß und Vorschäden einordnen
Erstzulassung (z. B. 14.08.2019) Restwert und Schadenhöhe bewerten
Amtliches Kennzeichen Verknüpfung mit Versicherung und Schadenmeldung
Fotos von Zulassungsbescheinigung Teil I und Versicherungsunterlagen Dokumentationsgrundlage für den Bericht

CUBEE Sachverständigen AG erfasst diese Daten direkt per App oder Webportal. Fotos von Tacho und FIN-Plakette werden dabei automatisch dem richtigen Fahrzeugdatensatz zugeordnet. So landen die Bilder direkt im digitalen Gutachten.

Sind Fahrzeug und Daten erfasst, folgt die Bildfolge rund um das Fahrzeug.

3. Schritt-für-Schritt: Ablauf des 360°-Scans

360°-Scan Ablauf: Unfallschäden am Auto dokumentieren

360°-Scan Ablauf: Unfallschäden am Auto dokumentieren

Jetzt kommt die feste Bildfolge am Fahrzeug. Der Ablauf hat zwei Phasen: zuerst das ganze Auto, danach die Schadenstellen im Detail.

3.1 Außenaufnahmen aus allen wichtigen Winkeln

Der Rundgang beginnt mit den Gesamtansichten: Front, Heck, beide Seiten und die vier 45°-Ecken. Auch das Dach wird aus erhöhter Position mit aufgenommen. Zum Schluss sind die Räder dran: je Seite eine Gesamtaufnahme und dazu eine Nahaufnahme der Felge, damit Kratzer, Risse oder abgeplatzte Lackstellen gut zu sehen sind.

Diese feste Reihenfolge macht den Abgleich mit Vorschäden leichter. So entsteht die Grundlage, um jeden Schaden im Gutachten dem passenden Bauteil zuzuordnen. Misslungene Bilder werden direkt noch einmal gemacht.

Danach geht es an die betroffenen Stellen im Detail.

3.2 Detailfotos bei Schäden und sicherheitsrelevanten Bereichen

Nach den Übersichtsbildern werden Schäden und sicherheitsrelevante Bereiche getrennt festgehalten. Jede betroffene Stelle wird aus mindestens drei Entfernungen fotografiert: als Überblick, aus mittlerer Distanz und als Nahaufnahme. Bei Stoßfängern und Kotflügeln geht die Kamera auf 20 bis 50 cm heran, damit Lackrisse, Dellen und Verformungen klar erkennbar sind. Türen werden über die ganze Schadenlänge aufgenommen, samt Türkanten und Schweller. Bei Scheinwerfern und Rückleuchten gehören Außenaufnahmen dazu und, wenn es nötig ist, auch Fotos im eingeschalteten Zustand. So lässt sich der Schaden später klar einem Bauteil zuordnen.

Nach einer Airbag-Auslösung oder einem starken Aufprall kommen Innenraumfotos dazu: ausgelöste Airbags, Gurte mit sichtbaren Dehnungsspuren und das Cockpit bei eingeschalteter Zündung, damit Warnleuchten wie Airbag, ABS oder ESP zu sehen sind. Nach einem Heckaufprall wird auch der Kofferraum geprüft, vor allem auf Verformungen am Boden und an der Struktur. Alle Innenraumfotos werden demselben Fahrzeugfall zugeordnet.

4. Wie Kratzer, Dellen und Spaltmaße erkannt werden

4.1 Kratzer und Dellen anhand von Oberflächenveränderungen erkennen

Nach den Detailfotos startet die automatische Schadensauswertung. Die Algorithmen prüfen Reflexionen und Formen auf Abweichungen. Kratzer tauchen meist als schmale, lineare Spuren mit verändertem Glanz auf. Oft wird dabei sogar die Grundierung oder blankes Metall sichtbar. Dellen fallen anders auf: Sie zeigen sich als flächige Verzerrungen im Reflexionsbild. Die Spiegelungen auf der Karosserie wirken dann gestaucht oder wellig.

Als Schaden zählt nur, was stabil sichtbar ist. Deshalb vergleicht das System mehrere Aufnahmen aus leicht verschiedenen Winkeln. So sollen Schmutz, Wasserflecken oder harte Lichtreflexe nicht irrtümlich als Schaden eingestuft werden. Erkannte Stellen werden dann dem Bauteil, dem Schadenstyp, der Größe und dem passenden Bildverweis zugeordnet und in der digitalen Akte gespeichert.

Für Glas- und Leuchtenflächen kommen eigene Algorithmen zum Einsatz. Sie prüfen zum Beispiel Risse und Steinschläge. Im Gutachten ist dabei die genaue Position wichtig, etwa bei der Windschutzscheibe im Sichtfeld des Fahrers. Davon hängt ab, ob eine Reparatur genügt oder ein Austausch nötig ist.

4.2 Spaltmaße und Höhenversatz in Millimetern messen

Spaltmaße und Höhenversatz lassen sich mit normalen Fotos nur eingeschränkt messen. Deshalb nutzen solche Systeme strukturierte Lichtprojektion oder Stereo-Kameras. Dabei wird ein festes Lichtmuster auf die Karosserie projiziert. Aus dessen Verformung an den Fugen berechnet das System eine 3D-Punktwolke. Auf dieser Basis lassen sich Spaltbreite und Höhenversatz zwischen benachbarten Bauteilen genau bestimmen.

Die Dokumentation erfolgt in Millimetern (mm). Typische Spaltbreiten liegen bei 3–5 mm. Abweichungen von mehreren Millimetern deuten auf Strukturverschiebungen hin. Im Gutachten erscheinen diese Werte meist als Zahlentabelle mit annotierten Bildern. Das hilft Werkstatt und Versicherung, die betroffenen Stellen ohne langes Suchen zuzuordnen.

4.3 Vergleich der Erkennungsmethoden

Methode Messbasis Typische Einheit Sensorik Lichtabhängigkeit Relevanz im Gutachten
Kratzer-Erkennung Oberflächenkontrast, Reflexionsmuster, Kantengradient Qualitativ; Länge oft in mm oder cm schätzbar Hochauflösende Kameras, mehrere Winkel Hoch – besonders bei Dunkel- oder Spiegellack Vor allem kosmetische Schäden und Lackschäden
Dellen-Erkennung Krümmungsveränderung, Schattenanalyse, lokale Höhenabweichung mm Kameras, optional Tiefensensoren Mittel – 3D-Unterstützung senkt Fehler Kosmetisch und teils strukturell; kann auf Rahmenverzug hinweisen
Spaltmaß-Messung Spaltbreite und Höhenversatz an Karosseriefugen mm Strukturierte Lichtprojektion, Stereo-Kamera, LiDAR Niedrig – weniger abhängig vom Umgebungslicht Sicherheitsrelevant; Nachweis von Strukturverschiebungen

Die Ergebnisse fließen direkt in die digitale Schadensbewertung.

5. Vom Scan-Ergebnis zum digitalen Gutachten

5.1 Wie Scan-Befunde in den Gutachten-Workflow einfließen

Ein Scan allein ist noch kein Gutachten. Erst die fachliche Prüfung macht aus erfassten Schäden eine belastbare Bewertung.

Nach dem Scan liegen die Befunde als Datensätze vor: mit Position, Foto, Größe und Schweregrad. Die Software ordnet jeden Schaden einem Bauteil zu, zum Beispiel Kotflügel vorne links mit Delle und Lackschaden bis zur Grundierung. Diese Einträge werden zusammen mit den Bilddaten in einer digitalen Akte gespeichert. Die in Abschnitt 4.1 und 4.2 erkannten Kratzer, Dellen und Spaltmaßabweichungen fließen so als prüfbare Befunde in den Bericht ein.

Danach schaut ein Sachverständiger manuell auf die Ergebnisse. Er bestätigt erkannte Schäden, korrigiert Zuordnungen und ergänzt Befunde, die reine Bildanalysen nicht sicher erfassen können. Dazu zählen etwa strukturelle Schäden oder Auffälligkeiten an Airbag-, Sensor- oder ADAS-Komponenten. Solche Punkte prüft der Sachverständige zusätzlich mit Diagnosedaten oder Messprotokollen. Auffällige Befunde werden also nicht einfach übernommen, sondern fachlich eingeordnet.

Wie diese Daten in der Praxis genutzt werden, zeigt der digitale Ablauf bei CUBEE.

5.2 Digitale Schadensdokumentation bei CUBEE Sachverständigen AG

CUBEE Sachverständigen AG

CUBEE Sachverständigen AG arbeitet mit einem digitalisierten Gutachten-Prozess. An den Container-Standorten oder durch einen mobilen Gutachter entsteht die Bilddokumentation unter standardisierten Bedingungen. Die Plattform führt Schadensbeschreibung, Reparaturkalkulation und Nachweise in einem digitalen Gutachten zusammen.

Das hat einen klaren Effekt: Alle Angaben liegen an einem Ort. Fotos, Befunde und Kalkulationen lassen sich dadurch sauber zuordnen und später leichter prüfen.

5.3 Manuelle vs. 360°-Scan-Dokumentation

Im Gutachten ist vor allem wichtig, wie klar sich Befunde später zuordnen und nachverfolgen lassen. Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen manueller Erfassung und 360°-Scan-Dokumentation.

Kriterium Manuelle Dokumentation 360°-Scan-Dokumentation
Spaltmaßzuordnung Oft nur punktuell dokumentiert; Messangaben fehlen häufig Spezifische Aufnahmen und mm-Angaben sind klar einer Position zugeordnet
Archivqualität Fotos sind vorhanden, aber selten strukturiert oder durchsuchbar Bilder werden mit Metadaten wie Position, Zeit und Schadens-ID gespeichert
Nutzen für Versicherung und Werkstatt Qualität schwankt; Rückfragen oder Nachbesichtigungen sind häufiger Hohe Vollständigkeit; erleichtert schnellere und sicherere Entscheidungen

Der zentrale Punkt ist simpel: Wenn Bilder, Messwerte und Schadenstypen sauber erfasst sind, lässt sich ein Befund später viel leichter prüfen. Das hilft sowohl Versicherungen als auch Werkstätten, weil Entscheidungen auf einer klar dokumentierten Grundlage getroffen werden können.

FAQs

Wie genau sind die Messungen beim 360°-Scan?

Die Messgenauigkeit eines 360°-Scans hängt direkt von der eingesetzten Technik ab. Und genau hier gibt es teils große Unterschiede.

Professionelle Laserscanner liegen meist bei unter 1 mm bis zu wenigen Millimetern. Kabellose Rahmenvermessungssysteme schaffen oft ±0,5 mm. Strukturlichtscanner kommen bei Detailmessungen auf unter 0,1 mm bis 1 mm, während Photogrammetrie meist im Bereich von 1 bis 5 mm liegt.

Das ist mehr als nur ein Zahlenvergleich. Mit dieser Genauigkeit lassen sich selbst kleine Kratzer oder Verformungen objektiv erfassen und digital präzise auswerten.

Welche Schäden erkennt ein 360°-Scan nicht sicher?

Ein 360°-Scan erkennt Schäden hinter Verkleidungen, an tragenden Strukturen oder in verborgenen elektronischen Komponenten nicht sicher. Das gilt auch für versteckte Rahmenschäden und interne Defekte an Aggregaten: Rein foto-basierte Verfahren stoßen hier oft an ihre Grenzen.

Dazu kommen praktische Hürden. Schwierige Lichtverhältnisse, starke Reflexionen und ungünstige Scanwinkel können die Präzision weiter mindern. Genau dann zeigt sich, warum die Einschätzung eines erfahrenen Sachverständigen nicht einfach zu ersetzen ist.

Wann reicht ein Scan aus, und wann sind zusätzliche Prüfungen nötig?

Ein 360°-Scan reicht aus, wenn die Bilddaten unter idealen Bedingungen eine klare Identifizierung und Vermessung der Schäden zulassen.

Sobald der Fall aber kniffliger wird, braucht es mehr als Bilder allein. Das gilt bei komplexen oder verdeckten Schäden, bei sicherheitsrelevanten Bauteilen wie Hochvoltbatterien, bei rechtlich unklaren Fällen sowie bei schwierigen Aufnahmebedingungen oder Unsicherheiten in der KI-Analyse. Genau dann kommt die manuelle Einschätzung der CUBEE Sachverständigen AG ins Spiel.

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