Kurz gesagt: Ich kann ein KFZ-Gutachten per Video oft dann starten, wenn ich digitale Tools für Gutachter nutze, wenn mein Auto fahrbereit ist und der Schaden von außen gut sichtbar ist. Die Sitzung dauert meist 25–30 Minuten. Bei einfachen Fällen kann ein Ergebnis teils nach 2–3 Stunden vorliegen. Für kleine Schäden gilt oft: Unter etwa 1.000 € ist nicht immer ein komplettes Gutachten nötig.

Für mich läuft das meist so:

  • Termin buchen und Link vorab testen
  • Smartphone, Kamera, Mikrofon und Internet prüfen
  • Auto mit Platz und gutem Licht abstellen
  • Fahrzeugschein, FIN und Kilometerstand bereithalten
  • Per Video erst das ganze Auto, dann den Schaden zeigen
  • Fehlende Fotos oder Unterlagen danach hochladen
  • Bei Achs-, Struktur-, Airbag- oder HV-Schäden auf Vor-Ort-Termin wechseln

Worauf es ankommt, ist einfach: gutes Licht, ruhige Aufnahmen und kein digitaler Zoom. Ich gehe lieber näher ans Auto heran, meist auf 20–40 cm bei Details. Für die Verbindung werden oft mindestens 4 Mbit/s Upload empfohlen.

Wenn ich es noch kürzer sagen soll: Video passt oft bei sichtbaren Außen-Schäden. Vor Ort braucht es meist bei verdeckten oder sicherheitsrelevanten Schäden.

Punkt Video passt oft Vor Ort besser
Kleiner sichtbarer Außenschaden Ja
Parkrempler, Kratzer, Delle Ja Bei Verdacht auf mehr
Hagelschaden Ja, bei gutem Tageslicht
Rad-, Achs- oder Fahrwerkstreffer Eher nur teils Ja
Rahmenverzug, Airbag, HV-Schaden Nein Ja

So weiß ich schon vor dem Termin, ob die Video-Co-Besichtigung für meinen Fall reicht.

KFZ Gutachten per Video: Ablauf in 3 Schritten

KFZ Gutachten per Video: Ablauf in 3 Schritten

Schritt 1: Termin buchen und Technik prüfen

Bevor die eigentliche Besichtigung startet, kommt es auf drei Dinge an: Link, Gerät und Verbindung. Wenn das passt, läuft der Einstieg meist ohne Stress.

Nach der Buchung bekommt der Fahrzeughalter eine Bestätigung per E-Mail oder SMS. Darin stehen das Datum und die Uhrzeit im deutschen Format, zum Beispiel 15.08.2026, 14:30 Uhr, dazu die Schadennummer und der Zugangslink zur Sitzung.

Öffnen Sie den Link am besten schon am Vortag. So sehen Sie sofort, ob Kamera und Ton laufen. Falls eine App nötig ist, steht das in der Bestätigung. Installieren Sie sie dann vorab und richten Sie alles in Ruhe ein.

Planen Sie außerdem 10–15 Minuten Vorlauf ein. In dieser Zeit können Sie das Fahrzeug passend abstellen und die Kamera kurz testen. Danach lohnt es sich, noch etwas Luft für Rückfragen einzuplanen.

Gerät, Internetverbindung und Berechtigungen

Nutzen Sie ein Smartphone oder Tablet mit Rückkamera, Mikrofon und den nötigen Zugriffsrechten. Je nach Anbieter läuft die Sitzung direkt im Browser oder über eine App.

Für eine stabile Übertragung werden mindestens 4 Mbit/s Upload empfohlen. Die Verbindung können Sie vor dem Termin über breitbandmessung.de der Bundesnetzagentur prüfen. Am besten nutzen Sie ein stabiles WLAN oder mobiles Netz mit gutem Empfang. Hintergrund-Downloads sollten in dieser Zeit pausieren.

Wichtig ist auch die Freigabe von Kamera und Mikrofon im Browser oder in der App. Fehlt diese Erlaubnis, bleibt das Bild schwarz oder der Ton stumm.

Datenschutz und Aufnahmeumfang

Video, Kennzeichen und Fahrzeugdaten gelten als personenbezogene Daten. Filmen Sie deshalb nur das Fahrzeug und die Schadenstellen. Private Bereiche sollten nicht im Bild erscheinen.

Ein neutraler Hof oder Parkplatz hilft dabei. Wer den Bildausschnitt vor dem Termin kurz prüft, vermeidet unnötigen Hintergrund und hält die Aufnahme sauber.

Sind Link, Technik und Bildausschnitt geprüft, kann die Fahrzeugvorbereitung beginnen.

Schritt 2: Fahrzeug, Unterlagen und Aufnahmebedingungen vorbereiten

Nach dem Technik-Check geht es an die eigentliche Aufnahme: Fahrzeug, Unterlagen und Licht.

Eine gute Vorbereitung spart Zeit und senkt die Zahl an Rückfragen. Stellen Sie das Fahrzeug passend ab, legen Sie die nötigen Unterlagen bereit und prüfen Sie Ihr Smartphone kurz vor dem Termin – eine mobile Fahrzeugbewertung vs. traditionelle Gutachten bietet hier deutlich mehr Flexibilität.

Fahrzeug mit genug Platz und Licht aufstellen

Stellen Sie das Fahrzeug auf einen ebenen, ruhigen Parkplatz mit 1–2 m Abstand rundherum. So können Sie das Auto von allen Seiten aufnehmen, ohne dauernd rangieren oder die Position wechseln zu müssen.

Tageslicht ist dafür am besten geeignet. Achten Sie aber darauf, dass die Schadenseite nicht direkt in der Sonne steht. Gegenlicht macht die Karosserie oft zu dunkel, und dabei können Schäden leicht untergehen. Wenn Sie am Abend oder in einer Garage filmen, nutzen Sie möglichst gleichmäßiges Deckenlicht. Auf Blitz sollten Sie verzichten, weil er schnell zu Überbelichtung und Spiegelungen führt.

Waschen Sie das Fahrzeug vorher nicht komplett. Entfernen Sie nur den Schmutz, der den Schaden verdeckt. Mehr ist hier gar nicht nötig.

Wichtige Unterlagen und Fahrzeugdaten bereithalten

Halten Sie die Zulassungsbescheinigung Teil I und den aktuellen Kilometerstand bereit. Beides braucht der Gutachter für die Fahrzeugdaten und die Wertermittlung.

Falls Sie frühere Reparaturrechnungen oder ältere Gutachten haben, legen Sie auch diese dazu. Sie helfen dem Experten dabei, Vorschäden sauber von unfallbedingten Schäden zu trennen. Das ist für die Abrechnung mit der Versicherung wichtig. CUBEE bietet schon bei der Online-Buchung die Möglichkeit, solche Dokumente hochzuladen. Der Gutachter kann sie dann vorab prüfen.

So lassen sich Fahrzeugdaten und Bilder direkt miteinander abgleichen.

Smartphone für stabiles, klares Video einrichten

Laden Sie Ihr Smartphone vor dem Termin auf, reinigen Sie die Linse und halten Sie das Gerät mit beiden Händen möglichst ruhig. Sorgen Sie außerdem für genug freien Speicherplatz, falls noch zusätzliche Fotos nötig sind.

Verzichten Sie auf digitalen Zoom. Gehen Sie stattdessen näher an den Schaden heran, am besten auf etwa 20–40 cm bei Nahaufnahmen. So bleibt die Bildqualität scharf. Machen Sie an jeder Schadenstelle einen kurzen Moment Pause, damit der Gutachter die Details gut erkennen kann.

Dann startet die Live-Besichtigung ohne unnötige Rückfragen.

Schritt 3: Die Live-Besichtigung mit dem Gutachter durchführen

Jetzt startet die Live-Besichtigung. Der Gutachter führt Sie per Video durch die Aufnahme und hält die Schäden parallel fest. Sie filmen dabei genau nach seinen Anweisungen. Danach geht es ohne Umweg in die Identifikation und die erste Rundum-Aufnahme.

Verbindung aufbauen und Fahrzeug bestätigen

Öffnen Sie den Link 5–10 Minuten vor dem Termin, erlauben Sie Kamera und Mikrofon und prüfen Sie kurz Bild und Ton. Wenn es beim Bild hakt, wechseln Sie am besten auf eine stabile mobile Verbindung.

Der Gutachter bestätigt dann das Fahrzeug und den Fahrzeugschein. Zeigen Sie dafür:

  • Kennzeichen
  • Fahrzeugschein
  • FIN
  • Kilometerstand
  • Warnleuchten mit Schadenbezug

Sobald Fahrzeug und Verbindung bestätigt sind, folgt die Rundum-Aufnahme.

Erst Gesamtübersicht, dann jede Schadenstelle im Detail

Gehen Sie langsam in 2–3 m Abstand um das Auto herum. Halten Sie die Ellbogen nah am Körper, damit das Bild ruhiger bleibt, und achten Sie darauf, dass das Licht von hinten auf Sie fällt, also von hinter Ihnen kommt.

Jeder Schaden wird erst im Gesamtbild gezeigt, dann aus mittlerer Distanz und am Ende im Detail. Der Gutachter achtet dabei auch auf Spaltmaße zu benachbarten Bauteilen. Genau das ist oft der Punkt, an dem man sieht, ob mehr betroffen ist als nur die sichtbare Stelle.

Danach klärt der Gutachter offene Punkte und weist auf fehlende Nachweise hin.

Offene Punkte klären und fehlende Unterlagen nachreichen

Am Ende der Sitzung fasst der Gutachter zusammen, was aufgenommen wurde. Er sagt Ihnen auch, welche Infos noch fehlen. Das kann zum Beispiel eine zweite Aufnahme des Rads auf derselben Achse sein oder eine ältere Reparaturrechnung für denselben Bereich.

Fehlende Fotos oder Nachweise reichen Sie danach einfach nach. Fehlende Unterlagen können Sie über das Upload-Portal hochladen.

Bildqualität, geeignete Fälle und Fazit

Was die Aussagekraft verbessert oder schwächt

Nach der Live-Besichtigung hängt viel davon ab, wie gut das Material am Ende ist. Eine Videodokumentation trägt nur dann, wenn das Licht gleichmäßig ist, die Kamera ruhig geführt wird und die Verbindung stabil bleibt. Fehlt eines davon, verschwimmen Konturen, kleine Spaltmaße und feine Schäden gehen leicht unter.

Digitalen Zoom sollten Sie meiden. Gehen Sie für Nahaufnahmen lieber näher ans Fahrzeug. Das wirkt unspektakulär, liefert aber meist die besseren Bilder. Wenn die Aufnahmequalität nicht reicht, braucht es oft Nachfotos oder sogar einen zweiten Termin.

Fälle für Video-Co-Besichtigung und Fälle für Vor-Ort-Begutachtung

Die folgende Übersicht zeigt, bei welchen Schäden Video oft ausreicht und wann ein Termin vor Ort nötig ist.

Schadensszenario Video-Co-Besichtigung geeignet Vor-Ort-Begutachtung empfohlen
Parkrempler mit Delle oder Kratzer an Tür/Kotflügel, Fahrzeug fahrbereit ✓ Ja Nur bei Verdacht auf verdeckte Schäden
Stoßfängerschaden hinten, Kofferraum schließt sauber ✓ Ja Wenn der Kofferraum nicht mehr sauber schließt
Hagelschäden auf Dach, Motorhaube und Kofferraumdeckel ✓ Ja – bei gutem Tageslicht
Aufprall auf Rad oder Achsbereich Eingeschränkt ✓ Ja – Achs- oder Fahrwerksschäden vor Ort prüfen
Verdacht auf Rahmen- oder Strukturverzug ✗ Nein ✓ Ja – erforderlich
Airbag ausgelöst, Sicherheitssysteme betroffen ✗ Nein ✓ Ja – Sensorik und Rückhaltesysteme prüfen
Elektrofahrzeug mit Verdacht auf HV-Schäden ✗ Nein ✓ Ja – Hochvoltkomponenten nur vor Ort beurteilbar

Stellt der Gutachter dabei fest, dass der Schaden doch komplizierter ist, wird auf eine Vor-Ort-Begutachtung umgestellt. Das passiert zum Beispiel durch einen mobilen Gutachterbesuch oder an einem der CUBEE Sachverständigen AG Container-Standorte.

Die wichtigsten Punkte für einen reibungslosen Ablauf

Drei Dinge machen in der Praxis oft den Unterschied: den Termin mit den korrekten Fahrzeugdaten buchen, das Fahrzeug vorher reinigen und alle Unterlagen bereitlegen. Während der Sitzung sollten Sie den Anweisungen des Gutachters genau folgen.

Fehlende Unterlagen oder Fotos können später nachgereicht werden. Fällt ein Fall aus der Tabelle in die rechte Spalte, muss von Video auf Vor-Ort gewechselt werden. Bei komplizierteren Schäden läuft die Begutachtung dann physisch weiter.

FAQs

Was passiert bei einem Verbindungsabbruch?

Kommt es während der Videobegutachtung zu einem Verbindungsabbruch, lässt sich die Sitzung meist ohne großen Aufwand fortsetzen.

Sie bauen die Verbindung einfach noch einmal auf und machen bei der Schadenaufnahme gemeinsam mit dem Gutachter dort weiter, wo die Sitzung unterbrochen wurde. Weil der Ablauf digital organisiert ist, klappt das in vielen Fällen ohne lange Wartezeit.

Reichen Handyfotos nach dem Termin aus?

Handyfotos allein reichen meist nicht. Für ein professionelles KFZ-Gutachten braucht es eine systematische, vollständige Dokumentation mit Fotos in passender Qualität.

Dazu kommt mehr als nur das reine Abfotografieren: Auch die Identifikation über die FIN gehört dazu, ebenso die Prüfung technischer Details, zum Beispiel der Lackschichtdicke oder von Wartungsprotokollen. Ein paar schnelle Schnappschüsse reichen dafür in der Regel einfach nicht aus.

Wer entscheidet über Video- oder Vor-Ort-Termin?

Ob ein Video- oder Vor-Ort-Termin passt, hängt vor allem vom Zustand und der Fahrtüchtigkeit des Fahrzeugs ab – und davon, wie komplex der Schaden ist.

Bei fahrbereiten Fahrzeugen mit überschaubarem Schaden reicht oft eine Begutachtung per Livestream. Bei schweren, komplexen oder nicht fahrbereiten Schäden ist in der Regel ein Termin vor Ort nötig.

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